In diesen Wochen entstehen in vielen Unternehmen die IT-Budgets für 2027. Selten lagen dabei so viele feste Termine in einem Jahr: Rechnungsformate, Serverbetriebssysteme, Cloud-Verträge, KI-Regulierung, Produktsicherheit und das Wartungsende von SAP ECC. Nicht jeder Termin betrifft jedes Unternehmen, und nicht jeder kostet Geld. Wer aber erst im Februar merkt, dass ein Projekt fehlt, findet dafür weder Budget noch Dienstleister. Dieser Beitrag sortiert die Stichtage und zeigt, welche davon in die Planung gehören.
Was gerade ausgelaufen ist
Bevor es um 2027 geht, lohnt ein Blick auf die Altlasten, die oft noch gar nicht im Budget stehen. Am 13. Oktober 2026 hat Microsoft das letzte Sicherheitsupdate für Windows Server 2012 und 2012 R2 ausgeliefert. Das Programm der Extended Security Updates ist damit beendet, eine Verlängerung gibt es nicht, auch nicht für Server in Azure. Wer solche Systeme noch betreibt, hat kein Planungsthema mehr, sondern ein offenes Sicherheitsproblem.
Ähnlich liegt es bei SQL Server 2016, dessen Support im Juli ausgelaufen ist, und bei Windows 10. Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze über das kostenpflichtige ESU-Programm weiter absichern, sind im Oktober in das zweite Jahr gestartet, und Microsoft hat den Preis dafür verdoppelt. Für ein drittes Jahr verdoppelt er sich noch einmal. Diese Kosten wachsen also, je länger man wartet.
Januar 2027: drei Termine in zwei Wochen
Der Jahresanfang ist der dichteste Abschnitt, und er folgt direkt auf die Feiertage. Was bis dahin nicht erledigt ist, fällt in eine Zeit, in der Projekte erfahrungsgemäß langsam anlaufen.
- 1. Januar 2027 – E-Rechnung: Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz dürfen inländische B2B-Rechnungen nur noch als strukturierte E-Rechnung ausstellen. Aufwendig ist das vor allem dort, wo Rechnungen aus mehreren Systemen kommen. Details im Beitrag zur E-Rechnungspflicht 2027.
- 12. Januar 2027 – Windows Server 2016: Der erweiterte Support endet. Danach gibt es Sicherheitsupdates nur noch gegen Bezahlung über ESU. Welche Wege es gibt, steht im Beitrag zum Supportende von Windows Server 2016.
- 12. Januar 2027 – Data Act: Cloud- und SaaS-Anbieter dürfen für einen Anbieterwechsel keine Entgelte mehr verlangen. Das ist keine Pflicht für Anwender, verändert aber die Verhandlungsposition bei laufenden Verträgen.
Die ersten beiden Termine erzeugen echte Projektkosten. Der dritte ist eher eine Gelegenheit, die man kennen sollte, bevor im kommenden Jahr Cloud-Verträge verlängert werden.
Später im Jahr: AI Act, Cyber Resilience Act, SAP
Die zweite Jahreshälfte wirkt weiter weg, sie ist es aber nur auf dem Papier. Die Vorbereitung für diese Termine muss 2027 budgetiert werden, auch wenn der Stichtag erst im Dezember liegt.
- 2. Dezember 2027 – Hochrisiko-KI nach dem EU AI Act: Durch den Digital Omnibus wurde dieser Termin aus dem August 2026 verschoben. Betroffen sind KI-Systeme etwa in der Bewerberauswahl, der Kreditvergabe oder der Leistungsbewertung von Beschäftigten. Wer solche Systeme einsetzt oder anbietet, braucht bis dahin Risikomanagement, Dokumentation und menschliche Aufsicht. Mehr dazu im Beitrag zum EU AI Act.
- 11. Dezember 2027 – Cyber Resilience Act: Ab diesem Tag gelten die Sicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen vollständig, einschließlich Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung. Die Meldepflichten laufen bereits seit September 2026. Das betrifft Hersteller von Maschinen mit Steuerung oder Fernwartung genauso wie Softwareanbieter. Siehe auch den Beitrag zum Cyber Resilience Act.
- 31. Dezember 2027 – SAP ECC 6.0: Die reguläre Wartung endet. Eine verlängerte Wartung bis Ende 2030 gibt es gegen Aufpreis, allerdings nur ab Enhancement Package 6. Für ältere Stände ist die Wartung bereits Ende 2025 ausgelaufen.
- 31. Dezember 2027 – Übergang bei der E-Rechnung: Ab 2028 müssen alle Unternehmen E-Rechnungen ausstellen, auch die kleineren. Gleichzeitig enden die Ausnahmen für ältere EDI-Verfahren, die nicht der europäischen Norm entsprechen.
Die Termine im Dezember 2027 sind die gefährlichen. Sie stehen weit genug weg, um sie zu verschieben, und nah genug, dass ein normales Projekt nicht mehr rechtzeitig fertig wird, wenn es erst im Herbst beginnt.
Was davon ins Budget gehört
Für die Planung hilft es, die Termine nach der Art ihrer Kosten zu sortieren. Die erste Gruppe sind Projekte mit festem Ende: E-Rechnung, Serverablösung, SAP-Migration. Sie kosten einmalig Aufwand für Bestandsaufnahme, Umsetzung und Tests, und ihr Umfang lässt sich vorab recht gut schätzen, wenn man weiß, wie viele Systeme betroffen sind.
Die zweite Gruppe sind Überbrückungskosten. ESU für Windows Server oder Windows 10, verlängerte SAP-Wartung, Lizenzen für Altsysteme. Sie sind manchmal sinnvoll, um ein schwieriges System geordnet abzulösen. Im Budget sollten sie aber immer mit einem Enddatum stehen, sonst wird aus der Brücke ein Dauerzustand, der jedes Jahr teurer wird.
Die dritte Gruppe sind Pflichten, die vor allem Organisation und Dokumentation verlangen: AI Act, Cyber Resilience Act und NIS2. Hier entsteht der Aufwand weniger in der Technik als in Prozessen, Nachweisen und Verantwortlichkeiten. Ein Teil davon lässt sich intern leisten, für Bewertung und technische Umsetzung braucht es meist Unterstützung von außen.
Wie man die Liste abarbeitet
Der erste Schritt kostet wenig und spart viel: eine Inventur, welche der Termine überhaupt zutreffen. Wie viele Server laufen noch mit Windows Server 2012 oder 2016? Aus wie vielen Systemen entstehen Rechnungen? Setzt das Unternehmen KI in Personalprozessen ein, oder bringt es Produkte mit Software auf den Markt? Mit diesen Antworten schrumpft die Liste meist auf drei oder vier Punkte.
Danach entscheidet die Reihenfolge. Was im Januar fällig ist, gehört in die nächsten Wochen. Was im Dezember 2027 fällig ist, sollte im ersten Quartal beginnen, damit für Tests und Nacharbeiten genug Luft bleibt. Und wo mehrere Termine dasselbe System betreffen, etwa ein alter Server mit SQL Server 2016 und einer Abrechnungssoftware, die für die E-Rechnung erweitert werden muss, lohnt es sich, beides in einem Projekt zu lösen statt zweimal anzufassen.
Fazit
2027 bringt keine einzelne große Umstellung, sondern eine Reihe fester Termine, die sich auf das ganze Jahr verteilen und im Januar und Dezember ballen. Wer sie jetzt einmal vollständig durchgeht, plant mit realistischen Budgets statt mit Notfallprojekten. Wenn Sie wissen möchten, welche der Termine Ihr Unternehmen betreffen und wie sich die Projekte sinnvoll bündeln lassen, unterstützen wir Sie bei der Cloud-Migration, der Datenmigration und bei KI-Governance und EU AI Act. Sprechen Sie uns an.
Weiterführende Quellen
- Microsoft Learn – Windows Server 2012 und 2012 R2: Ende des Supports
- Bundesfinanzministerium – Fragen und Antworten zur E-Rechnung
- EUR-Lex – Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus zum AI Act)
- EUR-Lex – Verordnung (EU) 2024/2847 (Cyber Resilience Act)
- SAP Community – Maintenance Timelines for SAP ERP 6.0
Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 15. Oktober 2026 wieder und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Ob ein Termin Ihr Unternehmen betrifft, hängt vom Einzelfall ab.
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