„Was kostet uns das?“ ist die erste Frage, sobald im Unternehmen die Idee für eine eigene Software auftaucht – und die Antwort „kommt darauf an“ ist zwar richtig, aber nutzlos. Dieser Beitrag zeigt, woraus sich der Preis einer Individualsoftware tatsächlich zusammensetzt, mit welchen Größenordnungen Sie rechnen sollten, welche Kosten nach dem Go-Live anfallen und wie Sie ein Angebot einschätzen, bevor Sie es unterschreiben. Was wir in solchen Projekten übernehmen, steht auf unserer Seite zur individuellen Softwareentwicklung.
Die kurze Antwort
Der Preis einer Individualsoftware ergibt sich fast immer aus einer einfachen Rechnung: Aufwand in Personentagen × Tagessatz. Alles andere – Festpreis, Pauschale, „Paketpreis“ – ist nur eine andere Verpackung derselben Rechnung, bei der der Anbieter das Risiko einer Fehleinschätzung zusätzlich einpreist.
Die Tagessätze erfahrener Entwicklungsdienstleister liegen in Deutschland grob zwischen 700 und 1.400 Euro. Der entscheidende Hebel ist deshalb nicht der Tagessatz, sondern der Aufwand – und der hängt fast vollständig davon ab, was die Software können muss.
Drei Größenordnungen aus der Praxis
Die folgenden Einordnungen sind Orientierungswerte für den Aufwand, keine Preisliste. Sie helfen dabei, eine Idee grob einzuordnen, bevor das erste Gespräch stattfindet.
1. Ein Werkzeug, das eine Excel-Lösung ablöst
Eine Web-Anwendung für eine klar umrissene Aufgabe: Daten erfassen, prüfen, auswerten, exportieren. Wenige Rollen, eine Datenbank, keine oder eine einfache Schnittstelle. Der Aufwand liegt hier typischerweise im Bereich von einigen Wochen. Das ist der häufigste Einstieg – und oft der mit dem schnellsten Nutzen, weil die Excel-Datei, die nur noch eine Person versteht, ein echtes Betriebsrisiko ist.
2. Ein Portal oder eine Fachanwendung mit Schnittstellen
Mehrere Nutzergruppen mit unterschiedlichen Rechten, Anbindung an ERP, CRM oder Buchhaltung, Workflows mit Freigaben, Benachrichtigungen, Berichte. Solche Projekte laufen meist über mehrere Monate und werden in Etappen umgesetzt. Die große Spanne innerhalb dieser Gruppe kommt fast immer von den Schnittstellen: Eine gut dokumentierte REST-API ist an einem Tag angebunden, ein Altsystem ohne Dokumentation kann Wochen kosten.
3. Ein geschäftskritisches System
Software, ohne die ein Kernprozess stillsteht: hohe Verfügbarkeit, viele Integrationen, Migration großer Datenbestände, Prüfpflichten oder regulatorische Anforderungen. Solche Vorhaben erstrecken sich über viele Monate und werden sinnvollerweise in Stufen geplant – niemand sollte ein solches System in einem einzigen Block beauftragen.
Was den Preis wirklich treibt
Zwei Projekte mit derselben Überschrift können sich im Aufwand um den Faktor drei unterscheiden. Fünf Punkte erklären den größten Teil davon.
Schnittstellen. Jede Anbindung an ein anderes System ist ein eigenes kleines Projekt. Entscheidend ist, ob es eine dokumentierte Schnittstelle gibt, wer sie betreut und ob es eine Testumgebung gibt. Fehlt das alles, steigt der Aufwand – und vor allem die Unsicherheit.
Datenübernahme. Wenn die neue Software mit Altdaten starten soll, müssen diese gesichtet, bereinigt und übertragen werden. Das wird regelmäßig unterschätzt. Wie man eine solche Übernahme ohne Datenverlust plant, beschreiben wir im Beitrag zur verlustfreien Datenmigration.
Rollen und Rechte. Eine Anwendung, in der alle alles dürfen, ist schnell gebaut. Jede zusätzliche Rolle, jede Freigabestufe und jede Regel, wer welche Daten sehen darf, kostet Aufwand – in der Umsetzung und im Test.
Unklare Anforderungen. Der teuerste Satz in einem Softwareprojekt ist „Das klären wir später“. Was am Anfang offen bleibt, wird später unter Zeitdruck entschieden und oft doppelt gebaut.
Betrieb und Sicherheit. Wo läuft die Software – in der Cloud, im eigenen Rechenzentrum, beim Dienstleister? Wer spielt Updates ein, wer überwacht sie? Diese Fragen gehören in die Planung, nicht in die Woche vor dem Go-Live.
Die Kosten nach dem Go-Live
Software ist nach der Abnahme nicht fertig. Betriebssysteme, Frameworks und Bibliotheken bekommen Sicherheitsupdates, Schnittstellen der angebundenen Systeme ändern sich, und die Nutzer haben nach drei Monaten Betrieb bessere Ideen als vor Projektbeginn.
Als Faustregel sollten Sie für Wartung und kleinere Weiterentwicklung jährlich etwa 15 bis 20 Prozent der ursprünglichen Entwicklungskosten einplanen, dazu die Betriebskosten für Server oder Cloud. Wer dieses Budget nicht vorsieht, hat nach zwei, drei Jahren eine Anwendung, die niemand mehr anfassen möchte – und steht dann vor der nächsten Neuentwicklung.
Festpreis oder Aufwand?
Ein Festpreis wirkt sicherer, ist es aber nur, wenn der Umfang wirklich feststeht. Bei einem klar beschriebenen, überschaubaren Vorhaben ist er sinnvoll. Bei allem anderen preist der Anbieter die Unsicherheit ein – oder er rechnet knapp und verhandelt jede Abweichung als Änderungsantrag nach.
In der Praxis bewährt sich eine Mischform: Die erste Stufe – etwa ein Prototyp oder eine erste lauffähige Version – zum Festpreis, danach Weiterentwicklung nach Aufwand in kurzen Abschnitten mit festem Budgetrahmen. So sehen Sie früh echte Ergebnisse und behalten die Kontrolle über jede weitere Ausgabe.
Was KI an den Kosten ändert – und was nicht
KI-Werkzeuge haben die Softwareentwicklung spürbar beschleunigt, vor allem bei Routinearbeit: Standardcode, Tests, Dokumentation, Umbauten an bestehendem Code. Davon profitieren vor allem kleinere und mittlere Vorhaben, bei denen dieser Anteil hoch ist.
Was KI nicht ersetzt, sind die teuren Teile: zu klären, was die Software eigentlich können soll, die Architektur festzulegen, Schnittstellen zu verstehen und das Ergebnis fachlich zu prüfen. Wer Ihnen eine drastische Kostensenkung allein durch KI verspricht, verschiebt den Aufwand meist nur – in die Fehlersuche nach dem Go-Live.
Woran Sie ein belastbares Angebot erkennen
- Der Aufwand ist aufgeschlüsselt – nach Funktionen oder Arbeitspaketen, nicht als eine einzige Zahl.
- Annahmen stehen drin. Was wurde vorausgesetzt, etwa zu Schnittstellen oder Datenqualität? Wo Annahmen fehlen, fehlt auch die Grundlage für Nachforderungen – oder für deren Abwehr.
- Test und Abnahme sind eingeplant, nicht nur die Entwicklung.
- Betrieb und Wartung sind beschrieben, mindestens als Option mit Preis.
- Der Quellcode gehört Ihnen. Ohne diese Zusage sind Sie dauerhaft an einen Anbieter gebunden.
Lohnt sich Individualsoftware überhaupt?
Nicht immer. Wenn es für Ihre Aufgabe eine etablierte Standardsoftware gibt, die zu 80 Prozent passt, ist die meist günstiger – auch wenn Sie Ihre Abläufe ein Stück anpassen müssen. Individualsoftware lohnt sich dort, wo Ihr Prozess Sie vom Wettbewerb unterscheidet, wo Standardlösungen nur mit vielen Umwegen funktionieren oder wo mehrere Systeme sauber zusammenspielen müssen.
Ein guter Dienstleister sagt Ihnen auch, wenn Standardsoftware die bessere Wahl ist. Das ist kein Zeichen mangelnden Interesses, sondern das Gegenteil.
Fazit
Was Individualsoftware kostet, lässt sich früher und genauer sagen, als viele denken – vorausgesetzt, man spricht über den Umfang statt über die Technik. Die Größenordnung steht meist nach einem einzigen Gespräch fest, eine belastbare Zahl nach einer kurzen Anforderungsklärung oder einem Prototyp.
Wenn Sie Ihr Vorhaben einordnen lassen möchten, nutzen Sie unseren kostenlosen Software-Projekt-Check: In 45 Minuten schätzen wir Umfang, Vorgehen und Zeitrahmen ein – und sagen Ihnen ehrlich, ob sich eine eigene Lösung lohnt. Mehr zu unserer Arbeit in der Region finden Sie auf der Seite zur Softwareentwicklung in Stuttgart.
Sie möchten das in Ihrem Unternehmen umsetzen? Wir unterstützen Sie pragmatisch – von der Idee bis zum Betrieb.