ALGEBRA News29. Juli 20265 Min. Lesezeit

Wer Steuergeräte appliziert, kennt den Ablauf: A2L-Beschreibung öffnen, Parameter anpassen, einen neuen HEX-Stand erzeugen, die DCM-Datei per Mail oder über ein Netzlaufwerk weitergeben. Die eigentliche Ingenieursarbeit – Kennfelder verstehen, Grenzwerte absichern, Messdaten interpretieren – steckt dabei in Werkzeugen, die im Kern seit zwanzig Jahren gleich funktionieren: lokal installiert, dateibasiert, ohne echte Historie. Genau hier setzt VersaCal an, unsere neue Plattform für das Kalibrierdaten-Management in der Automobilindustrie.

VersaCal läuft im Browser und bringt drei Dinge in die Applikation von Steuergeräten (ECU), die klassische Desktop-Tools bis heute nicht leisten: eine belastbare Versionierung, nachweisbare Reviews und eine KI-Assistenz, die bei der Analyse der Steuergerätesoftware unterstützt. Und das, ohne dass die Daten das Haus verlassen.

VersaCal: Kalibrierdaten-Management mit A2L-Typ, HEX-Adresse und physikalischen Grenzen
Alle Kalibrierobjekte auf einen Blick – Werte, Kennlinien und Kennfelder mit A2L-Typ, HEX-Adresse und physikalischen Grenzen, exportierbar als DCM, CDFX, HEX oder S-Record.

Versionierung: wie Git, aber für Kalibrierdaten

Klassische Desktop-Werkzeuge kennen Dateien, keine Historie. Wer den Stand von vor drei Wochen sehen will, sucht im Ordner nach der richtigen HEX- oder DCM-Datei und hofft, dass der Dateiname die Wahrheit sagt. Als Rückgrat des Kalibrierdaten-Managements führt VersaCal stattdessen eine zentrale Versionierung aller Kalibrierstände. Jede Änderung ist einem Menschen, einem Zeitpunkt und einem Grund zugeordnet.

Der Kern davon ist der Vergleich. Zwei Softwarestände werden auf A2L- und HEX-Ebene parameterweise gegenübergestellt – mit physikalischem Alt- und Neuwert und dem Delta dazwischen. Aus einem auffälligen Parameter springen Sie direkt zur zugehörigen HEX-Adresse und in den Quellcode des Steuergeräts. Was in Desktop-Tools ein mühsamer Handabgleich zweier Exporte ist, wird zu einem nachvollziehbaren Diff.

Reviews und Freigabe mit Nachweis

In vielen Teams ist die Freigabe eines Kalibrierstands ein informeller Akt: eine Mail, ein „passt so“ im Vorbeigehen. Nachweisbar ist das kaum. VersaCal bringt das Vier-Augen-Prinzip in den Prozess – Reviews mit Kommentaren direkt am einzelnen Parameter, ein vollständiger Audit-Trail und eine Freigabe, die sich später belegen lässt. Für alles, was gegenüber der Zulassung oder in einem Audit standhalten muss, ist dieser Nachweis nicht Beiwerk, sondern die eigentliche Absicherung.

Bevor ein Stand überhaupt zur Freigabe kommt, prüft die Plattform die Daten automatisch:

  • Grenzwerte und Monotonie: Verletzt ein Parameter seine erlaubten Grenzen oder kippt eine Kennlinie, die eigentlich monoton steigen sollte, meldet VersaCal das, bevor es jemand im Fahrzeug merkt.
  • Gradienten und Sattelpunkte: Zu steile Übergänge und verdächtige Sattelpunkte in Kennfeldern werden markiert – die Stellen, an denen sich Applikationsfehler gern verstecken.
  • Anomalien in Kennlinien und Kennfeldern: Ausreißer, die zu keinem physikalischen Verlauf passen, fallen automatisch auf, statt erst in der Messfahrt.
VersaCal A2L-Health-Report ohne Fehler und Warnungen
Der A2L-Health-Report prüft jeden Stand automatisch auf Fehler, Warnungen und Auffälligkeiten – erst wenn er sauber ist, geht es weiter zur Freigabe.

On-Board-Diagnose (OBD): Nachweise, die der Zulassung standhalten

Ein großer Teil der Steuergerätesoftware dient nicht dem Fahren, sondern der Überwachung. Die On-Board-Diagnose (OBD) prüft im laufenden Betrieb, ob die emissionsrelevanten Systeme funktionieren, und meldet Abweichungen. Die zugehörigen Schwellen, Monitore und Grenzwerte sind streng reguliert – jede Änderung muss dokumentiert und gegenüber der Typzulassung nachvollziehbar sein. Mit dateibasierten Werkzeugen ist dieser Nachweis Handarbeit.

In VersaCal durchlaufen OBD-relevante Kalibrierstände dieselben Reviews, denselben Audit-Trail und dieselbe automatische Prüfung wie alle anderen – nur dass lückenlose Nachvollziehbarkeit hier keine Kür ist, sondern Pflicht. OBD-Abteilungen sehen jederzeit, wer welchen Schwellwert wann und mit welcher Begründung verändert hat, und können eine Freigabe auch Jahre später noch belegen.

Messdaten direkt aus dem Steuergerät

Applikation ohne Messung ist blind. VersaCal bindet XCP an und übernimmt Messdaten live aus dem Steuergerät, ohne den Umweg über zwischengespeicherte Dateien. Ergebnisse fließen als HEX, S-Record oder Delta-DCM zurück in den Prozess. Steht ein neuer A2L- oder Softwarestand an, portiert die Plattform bestehende Kalibrierungen mit KI-gestützter Parametererkennung – statt dass jemand hunderte Labels von Hand neu zuordnet.

VersaCal 3D-Kennfeld der Zündwinkelverstellung über Drehzahl und Last
Kennfelder lassen sich als 3D-Oberfläche und als Wertetabelle prüfen – hier die Zündwinkelverstellung über Drehzahl und Last.

KI-Assistenz für die Steuergerätesoftware

KI ist in VersaCal Assistent, nicht Autopilot. Sie fasst die Änderungen zwischen zwei Ständen in Worten zusammen, bewertet ihr Risiko und beantwortet Fragen zur Steuergerätesoftware. Anweisen lässt sie sich in natürlicher Sprache – etwa „zeig mir alle Parameter, die die Abgasnachbehandlung betreffen“. Ein Review-Bot kommentiert Änderungen mit, ein Wissens-Assistent hilft beim Einordnen unbekannter Kennfelder.

Für viele unserer Kunden ist ein Punkt dabei entscheidend: Die KI läuft wahlweise über unternehmenseigene Endpunkte. Die Kalibrierdaten werden also für die Analyse nicht an einen fremden Dienst gegeben, sondern bleiben in der eigenen Umgebung.

Datenschutzkonform, weil die Daten bei Ihnen bleiben

Kalibrierdaten sind sensibel. In ihnen steckt Entwicklungswissen, und oft hängen sie direkt an Emissions- und Sicherheitsfunktionen. Deshalb läuft VersaCal dort, wo diese Daten hingehören: in Ihrer Infrastruktur. On-Premise im eigenen Rechenzentrum, ganz ohne externe Verbindungen, oder in Ihrer privaten Cloud. Der Zugang hängt an der Unternehmensidentität – Microsoft Entra ID, SAML oder OIDC – und der Betrieb bleibt DSGVO-konform, weil die Daten die eigene Umgebung nicht verlassen.

Kalibrierdaten-Management, das mit dem Prozess wächst

VersaCal richtet sich an Applikationsingenieure, OBD-Abteilungen und Motorsteuergeräte-Teams – an alle, die heute mit dateibasierten Desktop-Tools an ihre Grenzen stoßen. Der Unterschied ist kein weiteres Feature auf einer langen Liste, sondern ein anderes Kalibrierdaten-Management: versioniert, überprüfbar, mit KI-Unterstützung und ohne die Daten aus der Hand zu geben.

VersaCal ist Teil unseres Portfolios in der individuellen Softwareentwicklung. Wer sehen möchte, wie die Plattform im Detail aussieht, findet sie unter versacal.de.

Kalibrierdaten im Griff behalten

Sehen Sie sich VersaCal an – Versionierung, Reviews und KI-Assistenz für die ECU-Applikation, in Ihrer eigenen Infrastruktur.